Istanbul-Exkursion vom 16. – 23. Mai 2008

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Am Tag der Abreise traf sich die überschaubare Teilnehmergruppe sehr zeitig (5:30h) in Düsseldorf am Flughafen. Nach dem knapp dreistündigen Flug landeten wir in der heimlichen Hauptstadt der Türkei, Istanbul, von wo aus wir mit einem Shuttle-Bus unseres Hotels zu selbigem gefahren wurden.

Der erste Eindruck von Istanbul während der Busfahrt ist schwer in Worte zu fassen. Überlastete Verkehrswege, schwer nachzuvollziehende Arbeitsmethoden im Straßenverkehr, die ex- treme Bebauungs- und Bevölkerungsdichte und der offensichtliche Freiraummangel wurden bereits auf den ersten Kilometern deutlich. In Bezug auf die Exkursions-schwerpunkte Landschaftsbau, Freiraumplanung und Städtebau zeigten uns diese Beobachtungen wesentliche Unterschiede zu Deutschland auf.

Am zweiten Tag ging es nach dem Frühstück mit der Straßenbahn zu den ersten Stationen des Programms, die alle zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Wir besichtigten die Hagia Sophia und die Blaue Moschee am Vormittag. Um die Bauwerke herum befinden sich Grünanlagen, was in der Altstadt Istanbuls eine Ausnahme darstellt. Dies liegt darin begründet, daß die Bebauung keinen planerischen Hintergrund hat und das Wachstum der Stadt bereits sehr früh und schnell stattfand. Die Bevölkerung drängte in die von der Stadtmauer geschützte, enge Altstadt.

Besonders auffällig in den Grünanlagen waren der Zustand und die Vielfalt der Gehölze. Während sich der Baumbestand in der übrigen Altstadt auf Platanen (Platanus orientalis) beschränkt, befindet sich hier ein breites Spektrum an Gehölzen. Die Unterschiede in der Qualität der Pflanzungen zwischen den historischen Bauwerken und dem sonstigen, spärlichen Stadtgrün deuten darauf hin, daß diesem kaum Bedeutung beigemessen wird. Diese Annahme wird zusätzlich dadurch unterstützt, daß wir während des gesamten Exkursionszeitraumes keine Pflegemaßnahmen beobachtet haben außer auf solch repräsentati- ven Flächen wie zwischen der Hagia Sophia und der Blauer Moschee.

Nach einem Mittagessen gingen wir am frühen Nachmittag zum Topkapi Palast. Das sieben Hektar große Gelände beherbergte zu seiner Blütezeit 40.000 Menschen, welche überwiegend Sklaven, Wachen und Handwerker waren. Daß dieser der Sitz einer Sultansfamilie war, zeigten die eindrucksvollen Außenan- lagen mit aufwendigen Pflasterarbeiten. Die Beläge der Wege und Plätze bestehen größtenteils aus Marmor, sind jedoch an einigen Stellen mit aufwendig gestalteten Mosaikmustern aus Kieseln gebaut worden. Ähnlich der zuvor beschriebenen Grü- nanlagen befinden sich auch im Topkapi Palast gepflegte und vielfältige Baumbestände, die hier ein besonders hohes Alter aufweisen.

Die Fläche der Stadt (5140 km2) mit ihren geschätzten 16 Millionen Einwohnern war beeindruckend. Sie wächst je- des Jahr um ca. 400.000 Menschen. Dies entspricht dem 13fachen der im gesamten Kreis Höxter lebenden Personen. Der Grund für dieses rasante Wachstum liegt in den so genannten „Push- und Pull-Faktoren“. Zu den Push-Faktoren zäh- len Armut, wirtschaftliche und soziale Unterentwicklung in weiten Teilen des Landes. Die Menschen wandern in Richtung der Metropole ab (Landflucht). Verstärkt wird der Prozeß der Landflucht durch die Pull-Faktoren. Damit sind Bildung, die Aussicht auf Geld oder sogar Reichtum, sozialen Aufstieg und der Anschluß an Europa gemeint. Diese Vorgänge stellen sowohl Städte- als auch Freiraumplaner vor große Herausforderungen: Die Infrastruktur ist stark überlastet, es fehlen Raum und Gelder für eine rasche Lösung dieser Problematik. Außerdem leben sehr viele Erwerbstätige im asiatischen Teil von Istanbul, was zu täglichem Pendlerchaos führt.

Behörden oder „behördenartige Institutionen“ sind seit dem Zweiten Weltkrieg dem Wachstum nicht mehr gewachsen. So wurden ungefähr ab dieser Zeit Baugenehmigungen in „Eigen- verantwortung“ erteilt, ganze Stadtviertel sind über Nacht entstanden. Es gibt für sie seit 1947 den amtlichen Begriff Gecekondular (übersetzt: über Nacht entstanden). Diese sind eigent- lich illegal, werden jedoch aufgrund der Ausmaße und des Ent- wicklungstempos geduldet. Übertragen auf Deutschland kann man sich eine solche Situation nur schwer vorstellen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus zu einem weiteren Weltkulturerbe der UNESCO, der Theodosianischen Land- mauer. Sie verläuft westlich der Altstadt vom Goldenen Horn zum Marmarameer und ist eine historische Stadtmauer aus der Zeit des 5. Jahrhunderts. Bemerkenswert im Bezug auf den Landschaftsbau sind ihrer gewaltigen labilen Fundamente, welche 5 m tief in den Boden hineinreichen. Deshalb und durch ihre enormen Ausmaße (Mauerhöhe: 11 m, Mauerstärke: 5 m) galt das frühere Konstantinopel als uneinnehmbar. Entlang der Mauer wird auf fruchtbarem Boden von der Bevölkerung Gemüseanbau betrieben, was der immens knappen Freiraumsituation Istanbuls zugute kommt und eine einfache Einnahmequelle für die Menschen darstellt. Entlang der Küste der Altstadt im Süden erstrecken sich zudem ausgedehnte Grünflächen als Naherholung für die Bevölkerung. Diese wurden auf ursprünglich teurem Bauland errichtet, was für den Freiraumbestand Istanbuls einen großen Zuwachs darstellt. Diese Umwandlung ist ein klarer Beweis für eine moderner werdende Einstellung der Stadtpolitik gegenüber den Bedürfnissen der Menschen. Insbesondere sozialschwachen Familien wurde mit diesen Anlagen ein Ort für Freizeit, Sport und Spiel im Grünen und direkt am Meer zur Verfügung gestellt. Ehemals befanden sich auf dem Gelände Fabriken, deren Besitzer sich nur mit hartem Widerstand ihre Grundstücke abkaufen ließen. In letzter Instanz ließ die Stadt die Straßen einreißen, um Druck auszuüben.

Am letzten Tag vor dem Rückflug war unser Ziel zunächst das Meydan Center. Außergewöhnlich an diesem Einkaufszentrum ist seine verschachtelte Bauweise, wobei die Dachflächen teils begrünt und teils begehbar sind. Den Mittelpunkt bildet ein abgesenkter Platz mit Wasserspiel. Die Dachbegrünungen sind durch die Neigung der Dachflanken als anspruchsvoll einzustufen und stellen besonders hohe Anforderungen an Bautechnik und Bauausführung. Da diese Schräg- dachbegrünung mehr als 30° Neigung hat, sind Schubkraft und Erosionsanfälligkeit besonders hoch. Zum Einsatz kamen hier Raster-Elemente, welche mit Substrat gefüllt wurden. Durch die wabenförmige Form der Elemente wird die Erosion unterbunden. Eine Bewässerungsanlage ist installiert worden, was mit dazu beigetragen hat, daß der Bedeckungsgrad der Vegetationsschicht schon ein Jahr nach der Fertigstellung mehr als 80% betrug. Die Dachbegrünungsmaßnahmen des Meydan Centers sind augenscheinlich sehr gut gelöst worden.

Zurück ging es über die 1.510 m lange Bosporus Brücke. Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1973 zur Unterstützung des bereits vorhandenen Pendlerverkehrs per Fähre kommt ihr eine enorme Bedeutung in Bezug auf die Bewältigung der Pendler zu. Da viele Leute von der asiatischen auf die europäische Seite pendeln, sind morgens vier Spuren in diese Richtung, abends in entgegen gesetzter Richtung freigegeben. Da die Einwohnerzahl und somit der Verkehr seit 1973 stark zugenommen haben, ist die Bosporus Brücke überlastet, ungeachtet der Tatsache, daß sie im Jahr 1988 durch den Bau der Fatih-Sultan- Mehmet-Brücke Unterstützung bekam.

Das neueste Bauvorhaben Istanbuls soll hier Abhilfe schaffen: Ein Bahntunnel unter dem Bosporus zur Verbindung der beiden Kontinente und Bewältigung des wachsenden Verkehrsauf- kommens. Aus mehreren Gründen ist dies, trotz enorm hoher Kosten, die einzige Möglichkeit, den weiter wachsenden Verkehr auch in Zukunft zu bewältig

  • Der Fährverkehr ist bereits zu 100% ausgelastet
  • Durch die hohe Bebauungsdichte im Ballungsraum am Bosporus ist kein weiterer Brückenbau möglich.
  • Die Züge sollen bis zu 75.000 Menschen pro Stunde und Richtung befördern können – mit Autos wäre dieses Pensum nicht ansatzweise erreichbar.

Wir bedanken uns bei der AfV Höxter für die finanzielle Unterstützung dieser Exkursion, ohne die diese Reise sicherlich nicht machbar gewesen wäre.

Bericht: Holger Ruhmann & Jörg Maathuis

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Zusammenfassung der Diplomarbeit von Xenia Küsters

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Im Rahmen der Diplomarbeit „Thermologger- und Videoüber- wachung im Artenschutz - Eignungstest an Brutpopulationen von Großem Brachvogel (Numenius arquata) und Kiebitz (Vanellus vanellus) in Salzkotten (Kreis Paderborn) wurde die Eignung von Infrarot-Videokameras und Thermodatenloggern zur Dauerüberwachung von bebrüteten Gelegen des Großen Brachvogels und des Kiebitzes in einer lokalen Brutpopulation bei Salzkotten- Mantinghausen (Kreis Paderborn, Nordrhein- Westfalen) überprüft. [...]

Die Fragestellung der Diplomarbeit entstand aus folgender Problematik:

Trotz der bereits beschriebenen intensiven Schutzbemühungen, in denen die Gelege in Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirten markiert wurden und die Gelege dann bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung ausgespart wurden, kam es in den vergangenen Jahren zu hohen Gelegeverlusten. Die tatsächliche Ursache der Gelegeverluste mit Ausschluss landwirtschaftlicher Ursachen konnten in den vergangenen Jahren nie abschließend geklärt werden. Vermutet wurde, dass es sich um natürliche Einflüsse handeln musste. Dabei wurden Prädatoren (Nesträuber) als potentielle Verlustursache diskutiert. Sowohl tag- als auch nachtaktive Raubsäuger und Beutegreifer wie beispielsweise Fuchs, Marder, Wiesel, Igel, Aaskrähe und Greifvögel wurden primär für die Verluste verantwortlich gemacht.

Um diesbezüglich eine Aufklärung der tatsächlichen Verlustursachen im Mantinghausener Brutgebiet herbeizuführen, war die Aufgabenstellung der durchgeführten Diplomarbeit der Test der Eignung von Systemen, die eine dauerhafte Überwachung der bebrüteten Gelege zuließ. Aufgabe war es, Dauerüberwachungssysteme zu konzipieren und exemplarisch an mehreren Nestern zu erproben, um den Gründen der Gelegeverluste nachzugehen und diese den tatsächlichen Verlustursachen zuordnen zu können. Anschließend sollten gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen zur Minderung der Gelegeverluste eingeleitet werden. Weiteres Aufgabenfeld war es, durch die Dauerüberwachung brutbiologische Daten zu gewinnen und diese im Hinblick auf zuvor definierte Parameter auszuwerten.

Die Dauerüberwachung wurde durch zwei getrennte Systeme realisiert: Im Niederungsgebiet der Lippe bei Salzkotten-Mantinghausen siedelt traditionell eine kleine Lokalpopulation des Großen Brachvogels bestehend aus ca. 4 – 5 Brutpaaren sowie einer

Lokalpopulation des Kiebitzes bestehend aus ca. 15 – 20 Brutpaaren. Diese Lokalpopulation wurde ausgewählt, um den Einsatz von Überwachungsgeräten (Video-Kameras und Thermodatenlogger zu testen).

Die konzipierten Systeme konnten durchaus erfolgreich in der Brutsaison 2007 von Ende März bis Anfang Mai an mehreren Nestern installiert werden. Durch die Permanentüberwachung konnte das Brutverhalten hervorragend dokumentiert werden.

Die Ergebnisse wurden systematisch dokumentiert, brutbiologisch und tierökologisch ausgewertet und kritisch gewürdigt, um Hinweise für einen optimierten Artenschutz vor Ort, sowie für vergleichbare Problemgebiete ableiten und begründen zu können. Potentielle Prädatoreneinflüsse wurden keine an den aktiv bebrüteten Gelege dokumentiert. Darüber hinaus wurden, basierend auf den gesammelten Erfahrungen aus diesem Praxistest, die Möglichkeiten für den Einsatz der konzipierten Überwachungssysteme bei anderen Monitoringaufgaben im Naturschutz aufgezeigt.

Insgesamt wurden während des Untersuchungszeitraumes drei Brachvogel- Nester sowie neun Kiebitz- Nester mit Hilfe von Video-Systemen und Thermodatenloggern überwacht.

Ein getestetes Dauerüberwachungssystem war die lückenlose Dokumentation der Bebrütungstemperatur des Gelegeinneren um primär Brutabbrüche, Prädationsereignisse und Abwesenheitszeiten vom Gelege zeitgenau feststellen zu können und um einen möglichen Zusammenhang zwischen Bebrütungskontinuität und Gelegeschicksal aufzuschlüsseln. Dazu wurden in die Gelege für den brütenden Altvogel völlig störungsfreie Thermodatenloggersensoren eingebaut. Die Logger verfügen über einen ca. 20 cm langen Draht an dessen Ende ein Sensor die Temperatur des Gelegeinneren in zuvor eingestellten 3-sec. Intervallen messen konnte. Diese Temperaturdaten wurden direkt im Logger gespeichert (welcher außerhalb des Geleges in einer Schutzbox vergraben wurde) und konnten dann am heimischen PC nach dem Ausbau aus dem Gelege, sobald es nicht mehr bebrütet wurde, ausgelesen werden.

Es gab in den mit Thermodatenloggern bestückten Nestern kein Prädationsereignis. Die Logger wiesen eine durchschnittliche mittlere Bebrütungstemperatur von 17,32°C, max. mittlere von 35,78°C und min. mittlere von 5,26°C auf. Es konnte kein Zusammenhang zwischen Gelegeschicksal und Bebrütungs- kontinuität aufgrund von Störreizen festgestellt werden, da es kein negatives Gelegeschicksal aufgrund von Prädation gab.

Durch die Auswertung des von einem Thermologger aufgezeichneten Temperaturverlaufs kann die zeitliche Abfolge festgestellt werden, zu welchen Uhrzeiten ein Gelege bebrütet wurde. Darüber hinaus kann auch ein Brutabbruch (z.B. in Folge von Prädation) oder der Schlupfzeitpunkt der Küken aufgrund der Temperaturveränderungen zeitlich genau zugeordnet werden. Bei einem Schlupf beispielsweise steigt die Temperatur im Gelege kurz vor dem Schlupfzeitpunkt um einige Grad an und fällt nachdem die Küken das Nest nach wenigen Stunden nach dem Schlupf verlassen haben stetig ab, bis sich die Temperatur der Außentemperatur innerhalb kurzer Zeit angleicht.

Auch ein möglicher Zusammenhang zwischen Bebrütungskontinuität und Gelegeschicksal kann geprüft werden. Durch die Auswertung der Messdaten können Hinweise darauf ermittelt werden, ob ein häufiges Verlassen der Gelege durch die Alttiere (z.B. aufgrund von Störreizen) zu einer niedrigeren mittleren Bebrütungstemperatur führt. Dadurch können Rückschlüsse und Zusammenhänge überprüft werden, die mit dem Gelegeschicksal korrespondieren.

Insgesamt wurden neun Nester mit Thermodatenloggern bestückt. Bei diesen Gelegen konnte ein Schlupferfolg von 97 % festgestellt werden. Damit ist eindrucksvoll bestätigt, dass der Einbau der Thermologger keine so großen Störungen verursacht hat, dass Nester verlassen wurden. Die Minderung der Erfolgsrate in einem Fall (ein Ei) geschah aufgrund eines „Unfalls“, wobei der brütende Vogel das Ei vermutlich beim Abfliegen selbst beschädigte.

Die Dauerüberwachung des 2. Systems, welches getestet wurde, war die Konzipierung einer dauerhaften visuellen Überwachung im 24 x 7 – Betrieb.

Die Kriterien der Dauerüberwachungsanlage waren, dass diese ein zuverlässiges und zudem kostengünstiges System sein musste. Weitere wichtige Kriterien waren eine autarke Stromversorgung und dass die Datenspeicherung durch ein Langzeitaufnahmemedium die Videoaufnahmen über mehrere Tage speichern konnte. Da die Gelege sowohl bei Tageslicht als auch in den Nachtstunden durchgängig überwacht werden sollten, war es zudem erforderlich, daß die Anlage mit Infrarot- LEDs ausgestattet waren.

Um die Anlage vor Diebstahl und Witterungseinflüssen zu schützen, wurden die Hauptkomponenten in einer abschließbaren Metallbox positioniert. Die Kontrolle der Nester wurde in regelmäßigen Abständen mit Hilfe eines Kontroll- Bildschirmes durchgeführt. Bei diesen Kontrollen konnte man den aktuellen Bebrütungszustand der einzelnen Gelege feststellen. Insgesamt wurden fünf Gelege mit Kameras überwacht und es konnten 1335 Stunden Videoaufzeichnungen ausgewertet werden. Bis auf eines hatten alle Gelege Schlupferfolg. Ein Gelege, welches mit einer Videokamera überwacht wurde, wurde aus unbekannten Gründen nach 11 Tagen Daueraufnahme aufgegeben (vermutet wurde der Verlust des Partners). Das Gelege wurde drei Tage nach Aufgabe von einer Rohrweihe (Circus aeruginosus) geplündert. Ansonsten konnten keine Prädatoren (Nesträuber) an den aktiv bebrüteten Gelegen festgestellt werden.

Die installierten Systeme boten abschließend sehr gute Möglichkeiten, während der Brutphase der Kiebitz- und Brachvogelpaare brutbiologische Daten zu gewinnen. Außerdem war die Dokumentation potentieller Nesträuber zu allen Tageszeiten ermöglicht. Solche Ergebnisse hätten auf klassischem Wege durch die Beobachtung mittels Fernglas und Fernrohr nicht erzielt werden können.

Weitere Einsatzmöglichkeiten für den Einsatz von Kamera- und Loggerdauerüberwachung sind insbesondere bei populationsökologischen Untersuchungen und bei der Frage, warum Rep- roduktionsraten in Populationen so gering ausfallen sinnvoll. Potentielle Verlustursachen von Gelegen können genau aufge- schlüsselt und Hilfsmaßnahmen gezielt abgeleitet werden.

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AfV-Exkursion nach Bielefeld

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Freitag, 25. April 2008

Am Freitagmittag versammelte sich die fast vollständige Teilnehmerschar in der Jugendherberge, um mit der Straßenbahn den ersten Programmpunkt – die Firma Dr. Oetker – anzusteuern.

In dem großen verglasten Gebäude, dem Verbindungsglied zwischen zwei alten Backsteingebäuden (dem sogenannten "Puddingpulverbau"), fand sowohl der Vortrag über betrieblichen Umweltschutz als auch die Führung durch die "Dr. Oetker Erlebniswelt" statt. Der Umweltschutzbeauftragte Herr Kuhnke hielt einen interessanten Vortrag über einen Standort von Dr. Oetker in Russland.

Er stellte zuerst die Unternehmensgruppe Oetker vor, die nicht nur in der Nahrungsmittelindustrie tätig ist. Sie ist auch Deutschlands größte Privatreederei, besitzt Hotels im Ausland und ist Besitzer von Getränkeherstellern (z. B. Radeberger, Rotkäppchen). 23.000 Mitarbeiter sind weltweit für Dr. Oetker tätig.

Betrieblicher Umweltschutz wird allen Standorten von Dr. Oetker, also in Kanada, Brasilien, Frankreich, Italien, Rumänien, Türkei, Ungarn, in der Tschechischen Republik, in Polen und Russland umgesetzt.

Am Beispiel einer russischen Produktionsstätte (Molkerei Prochorovka) erläuterte Herr Kuhnke die dortigen Besonderheiten:

  • Grundstücke werden gleich hunderthektarweise gekauft. Auf diesen Flächen werden dann Dr. Oetker Produkte hergestellt und Energie gewonnen (erneuerbare Energien)
  • Überdurchschnittlich viele Mitarbeiter sind im Werkschutz tätig.
  • Der Abfall wird auch in Russland getrennt gesammelt. Aber den Mitarbeitern zu erklären warum, ist schwierig. Denn eine entsprechende Weiterbehandlung ist nicht immer sichergestellt.

Die Geschäftsführung von Dr. Oetker versteht sich durch ihr Handeln gemäß deutscher Umweltschutzrichtlinien als Multiplikator in Sachen Umweltschutz. Andere Betriebe werden ihre Richtlinien ebenfalls nach Russland ausführen und so den Umweltschutz voranbringen. Ähnliches gilt für den Arbeitsschutz. Nach dem Vortrag stand eine Führung von Herrn Todenhöfer (Dr. Oetker Erlebniswelt) auf dem Programm. Er schilderte ausführlich die Firmengeschichte, die Produktionsprozesse, die für die Herstellung gleichförmiger, hochwertiger Lebensmittel nötig sind, und führte uns zur berühmten Versuchsküche. In verschiedenen Schaukästen wurden einige interessante Geräte und Aspekte bei der Herstellung von Kuchen, Pizza und Pudding ausgestellt. Besonders der "Hamster" fand Beachtung. Das ist ein Gerät zur Qualitätssicherung, durch dessen ständige Temperaturaufzeichnung überprüft werden kann, ob die Kühlkette während des Transports unterbrochen wurde.

Der Höhepunkt aber war die Zubereitung des "süßen Moments". Mittels einer Tasse und einem Löffel in der entsprechenden Vorrichtung im Riesenpudding wurde der heiße und süße Instantpudding in Kürze effektvoll zubereitet.

Im 3. OG gab es einen kurzen Blick in die Versuchsküche. Dort wurden die Backmischungen unter Alltagsbedingungen getestet. Ob die Versuchsküche gute Arbeit geleistet hatte, konnte jeder anhand der Gugelhupf-Backmischung zuhause nachprüfen, die es als Geschenk am Ende der Führung gab.

Am Nachmittag ging es mit Pkws zu Baxter Oncology in Halle / Westfalen. Bei Baxter sahen wir einen Film auf Englisch, der viele englische Fachbegriffe enthielt und vielleicht nicht jedem verständlich war. Es wurden vor allem die Reinraumbedingun-gen und die Hygiene beschrieben, die bei der Herstellung und Abfüllung von Medikamenten notwendig sind. Danach fand noch eine kleine Führung über das Werksgelände statt. Eine immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige Feuerungsanlage war zu sehen und die Kläranlage. Diese Anlage reinigt das Abwasser des Industrieparks gleich mit. Nach der Besichtigung der Steuerzentrale mußten wir Baxter schnell verlassen, um den Westfalen-Express zurück nach Bielefeld zu bekommen. Für den Abend war nämlich in der Jugendherberge ein leckeres Abendessen vorgesehen, das – jugendherbergsunüblich - ganz ohne roten Tee serviert und als Büffet angeboten wurde.

Samstag, 26.April 2008

Samstags fuhren wir mit dem Zug nach Detmold in das große Freilichtmuseum. Am Eingang des Museums fuhren uns freundlicherweise die kräftigen Kaltblüter Anton & Samantha im Kutschenwagen vom Eingang zum oberen Teil des Museums, wo unsere Führung begann.

Wir bekamen eine sehr spannende Führung zu den unterschiedlichen Häusern im Freilichtmuseum. Aus NRW werden nach und nach verschiedene Dörfer zusammengetragen und hier wieder aufgebaut. So gibt es das Osnabrücker Dorf, das Lippische Dorf, das Paderborner Dorf, das Höxter Dorf und das Sauerländer Dorf. Das Siegerländer kommt noch und auch eine zentrale katholische Kirche muß noch gefunden werden, die den Anforderungen entspricht.

Unsere freundliche und kundige Führerin erläuterte interessante Einzelheiten an und in den verschiedenen Häusern und daß auch in vergangenen Zeiten das Motto galt: vorne hui, hinten pfui. Der Beweis dafür war der Nieheimer Gartenzaun, der auf der öffentlichen Seite zur Straße hin gepflegt, auf der privaten Seite vernachlässigt wurde. Besonders beeindruckend war Haus und Garten des Vallepargenhof.

In der Schmiede zeigte uns der Schmied, wie damals die landwirtschaftlichen Geräte hergerichtet wurden. Heute schmiedet er nur noch zu Unterhaltungszwecken oder er erfüllt besondere Wünsche von Besuchern. Er war gerade dabei, Eheringe herzustellen.

Die Museumsbäckerei bot süße und salzige Backwaren an, die von den Exkursionsteilnehmern begeistert verzehrt wurden. Nach einer Stärkung mit westfälischen Spezialitäten in der Gastwirtschaft "Im weißen Ross" bildeten sich Gruppen, die sich je nach Lust und Laune länger oder kürzer im Freilichtmuseum aufhielten. Dabei konnten u.a. die seltenen "Bentheimer Landschweine" in bewundert werden.

Mit Bus und Bahn ging es zurück nach Bielefeld zum kulturellen Höhepunkt des Samstagabends, der 7. Bielefelder Nacht der Museen, Kirchen und Galerien Von 19:00 bis um 02:00 hatte jeder die Möglichkeit, die Stadt und ihre Geschichte besser kennen zu lernen.

Sonntag, 27. April 2008

Der Sonntag stand im Zeichen von Geo-Caching. Das ist eine Art Schatzsuche, die mithilfe von GPS (Global Positioning System) die Suchenden an den Schatz heranführen kann – vorausgesetzt sie finden die entsprechenden Koordinaten heraus, die durch Denkaufgaben und Absuchen des Standortes zu ermitteln sind. Die Beschreibungen und Aufgabenstellungen der Schatzsuche sind im Internet zu finden.

Möglich wurde das Geo-Caching durch die Freigabe des bislang militärisch genutzten GPS im Jahr 2000 durch den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton Dank der Unterstützung und Einweisung von Uwe Hachenberg und Marco Bitter durften wir, in drei Gruppen aufgeteilt, uns auf die Jagd nach dem Schatz machen. Dieser sollte sich in der Nähe des Gut Lübrassen am südöstlichen Rand des Bielefelder Stadtteils Heepen befinden. Mit Navigationsgeräten und einem Aufgabenzettel ausgestattet machten wir uns auf die Jagd bei schönstem Sonnenschein. Am Ziel wieder komplett versammelt, machten wir uns auf den Weg zum gemeinsamen Mittagessen als Abschluß der Exkursion.

Der AFV sei Dank für die finanzielle Unterstützung. Ein besonders herzliches Dankeschön geht an Jürgen Kruck für die Planung, Organisation und reibungslose Durchführung der Ex- kursion. Die Entscheidung für Bielefeld als Exkursionsziel sollte auch den Studierenden in Höxter die Gelegenheit geben, an ei- ner AFV-Exkursion teilzunehmen ohne lange und kostspielige Anreise. Leider ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Nächstes Jahr werden die Studierenden direkt in die Planung eingebunden. Vielleicht ist das Interesse dann größer?!

Bis dahin eine gute Zeit.

Bericht: Christiane Haußer

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