Exkursion "Brennstoffe" in den Harz

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1. Tag der Exkursion (Montag, 23.03.2009)

- Besuch der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover Die BGR ist die Fachbehörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Nach einer Begrüßung und Vorstellung des Institutes durch Dr. Ulrich Berner referierte Herr Ostertag-Henning über die Entstehung und Charakterisierung von Kohle. Hier wurde die Einteilung der unterschiedlichen Kohlearten erläutert, sowie ihre Verteilung und Nutzung auf der Erde.

Es folgte ein Vortrag von Dr. Ulrich Berner über die Entstehung und Charakterisierung von Erdöl und Erdgas. Erläutert wurde die prozentuale Verteilung des Erdöls und Erdgases weltweit, zudem die möglichen Förderzeiten dieser fossilen Energieträger.

Dr. Dieter Franke erweiterte die bisherige Thematik mit der Frontier-Exploration auf Energierohstoffe. Kerninhalt dieses Vortages war die Suche nach neuen Rohstofflagerstätten. Es wurde über die Methoden zur Untersuchung des Erdinneren, ob in der Tiefsee oder auf Land, berichtet. Die BGR erkundet den Untergrund mittels Seismik nach potenziellen Lagerstätten. Bohrungen werden von der BGR nicht vorgenommen.

Der letzte Vortrag behandelte die Themen erneuerbare Energierohstoffe und nichterneuerbare Energierohstoffe und wurde von Herrn Hilmar Rempel vorgetragen. Inhaltlich wurde hauptsächlich über das Vorkommen der Rohstoffe und ihre Förderung, sowie über den Handel mit den Energierohstoffen referiert.

- Besuch des Weltkulturerbes Rammelsberg in Goslar

Über 1.000 Jahre wurde am Rammelsberg ununterbrochen Bergbau betrieben. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass hier schon vor 3.000 Jahren Erz gewonnen wurde. In der Tiefe des Berges ruhten einst 27 Millionen Tonnen Kupfer-, Blei- und Zinkerze.

Seit 1992 steht das Erzbergwerk Rammelsberg aufgrund seiner übertägigen und untertägigen Denkmalsubstanz aus allen Betriebsphasen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Nachdem die Exkursionsgruppe mit Helmen ausgerüstet wurde, ging es mit der Grubenbahn 500 Meter tief in den Berg bis zum 100 Jahre alten Richtschacht. Er war der erste Schacht im Rammelsberg in dem mittels elektrischer Energie Erze geför- dert wurden. Hier wurden originale Abbau- und Fördermaschinen, die im Rammelsberg eingeführt wurden, vorgeführt und somit die Bergbautechnik des 20. Jahrhunderts demonstriert. Hautnah konnten die Lebensbedingungen der Bergleute bzw. die schwere Arbeit durch eigenes Bedienen der Maschinen erlebt werden.

Danach ging es zu Fuß durch ein 200 Jahre altes Stollensystem (Roeder-Stollen). Er gilt als Meisterleistung der Ingenieurskunst des späten 18. Jahrhunderts. Gefolgt wurde dem Weg des Wassers, welches in den Berg geleitet wurde um Wasserräder in Bewegung zu setzen. Hier konnten die in den Stollen eingebauten gewaltigen Wasserräder, die die vorindustrielle Antriebsmotoren für Wasserpumpen und Erzförderung darstellen, besichtigt und in Aktion erlebt werden.

Abschließend wurde die Erzaufbereitungsanlage, welche direkt in den Hang des Rammelsberges hinein gebaut wurde, besichtigt. Zu Fuß wurde dem Weg des Erzes gefolgt, vorbei an mächtigen teils in Betrieb gesetzten Maschinen.

2. Tag der Exkursion (Dienstag, 24.03.2009)

- Besuch des Institutes für Bergbau der TU Clausthal

Nach Begrüßung und Vorstellung des Institutes wurde ein erster Vortrag von Dipl.-Ing. Elisabeth Clausen gehalten. Die Thematik drehte sich rund um den Steinkohlebergbau in der Bundesrepublik Deutschland, von der Entstehung der Steinkohle über die Erschließung der Bergwerke, die Gewinnung, Förderung und Aufbereitung von Steinkohle, bis zur Stilllegung der Bergwerke.

Es folgte ein Vortrag über den Braunkohlebergbau in Deutschland von Herrn Hardebusch. Anschließend berichtete Herr Vogt über die Aufbereitung der Steinkohle.

- Besuch des Clausthaler-Umwelttechnik (CUTEC) - Institu- tes

Das CUTEC-Institut, eine Einrichtung des Landes Niedersachsen, ist ein Forschungs- und Entwicklungsinstitut. Nach einer Begrüßung des Geschäftsführers Univ.-Prof. Dr.- Ing. Otto Carlowitz folgte ein Vortrag mit dem Thema „Erzeugung von Kraft, - Brenn- und Chemierohstoffen der 2. Generation mit thermochemischen Biomassekonversionsverfahren“.

3. Tag der Exkursion (Mittwoch, 25.03.2009)

- Besuch des Clausthaler-Umwelttechnik (CUTEC) - Institu- tes

Vor der Besichtigung des Institutes wurde durch Univ.- Prof. Dr.-Ing. Otto Carlowitz eine kurze Einführung in das Institut ge-geben.

Die Arbeitsfelder umfassen anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung sowie Betrieb im Technikumsmaßstab. Seine Funktion ist die Vereinigung der verfahrenstechnischen Basisdisziplinen in der Umwelt- und Energietechnik. (Generierung von Schnittstellenkompetenz bei Koppelprozessen).

Es gibt drei Themenfelder in den die CUTEC operiert:

  • Physikalisch-biologisch Prozesstechnik: Abfall- Abwas- ser- Boden
  • Chemische Prozesstechnik: Kraftstoff- Antrieb- Emis- sionen
  • Thermische Prozesstechnik: Verbrennung- Vergasung-Pyrolyse

Anschließend erfolgte eine Führung durch das Institut.

- Besuch des Institutes für Erdöl- und Erdgastechnik (IEE) der TU Clausthal

Zur Einführung wurde von Dipl.-Ing. Thomas Fischer ein Vortrag mit dem Thema „Die Entstehung von Erdöl und Erdgas bis zum vielfältigen Produkt“ gehalten. Auf Basis der Entwicklung der Rohölpreise wurden die sich daraus ergebenden Reserven bzw. Ressourcen einzelner Energieträger dargestellt. Weiter wurde über die Entstehungszeiten von Erdgas (besonders Kreidezeit) und Erdöl (besonders Permzeit) referiert. Es folgte die Sichtung von Erdöl und Erdgas durch die Seismik. Anhand des Seismogramms werden die Ergebnisse interpretiert. Nach der Seismik folgen Bohrungen um die Annahmen zu bestätigen. Zudem wurde über die Offshore-Bohrtechnik berichtet. Weitere Themen waren unter anderem der Öltransport per Tanker oder Pipelines, die Vor- und Nachteile von LNG (lique- fied natural gas), sowie die Wartungsmöglichkeiten von Rohrleitungen. Anschließend erfolgte eine Führung mit Herrn Matthias Klaws durch das Institut. Der Exkursionsgruppe wurden im Besonde- ren die Anlagentechniken des Institutes gezeigt. [...]

4. Tag der Exkursion (Donnerstag, 26.03.2009)

- Besuch des Tagebaus in Schöningen

Der Tagebau Schöningen ist das südliche Feld des Helmstedter Reviers. Durch Herrn Kornelius erhielt die Exkursionsgruppe einen kurzen Einblick in die Geschichte des Tagebaus in Helmstedt, sowie über die archäologischen Funde, welche während des Abbaus der Braunkohle gemacht wurden.

1873 Gründung der BKB mit einem Stammkapital von 1,6 Mio. Taler in Berlin

1930 Einsatz von Gummi- Förderanlagen

1979 Aufschluss Tagebau Schöningen Helmstedt

Herr Kornelius berichtete über Maschinen die beim Tagebau eingesetzt werden. Der Umfang der abgebauten Kohle beträgt ca. 2,0 Mio. t/a, der Abraum ca. 6,6 Mio. m3/a. Der Tagebau Schöningen besitzt eine Fläche von 4 x 7 km, ist 120 m tief und wird bis 2017 betrieben werden. Insgesamt sind dann 323 Millionen m3 Abraum und 60 Millionen t Kohle gefördert worden. Im Rahmen einer Rekultivierung soll hier dann in 40 bis 50 Jahren ein See entstanden sein.

Diese Braunkohle dient der Versorgung des Kraftwerks Buschhaus. Wichtige archäologische Funde waren unter anderem:

  • Eine Straße, die auf 3000 v. Chr. zurück datiert wurde
  • Feuerstellen, sowie Knochen von Löwen, Wölfen und Bären aus der Altsteinzeit (vor ca. 400 000 Jahren)
  • 20.000 – 30.000 Knochen von Huftieren (vorwiegend Wildpferde)
  • 1⁄2 Stoßzahn eines Waldelefanten (Gewicht ca. 4-5 t, Schrittweite ca. 2 m, Fußdurchmesser ca. 60 cm)
  • Kopf eines Wasserbüffels
  • Erster Speer eines Homo erectus gefunden, ca. 0,5 Millionen Jahre alt (einziger nachgewiesener Ort auf der Erde auf dem der Homo erectus seinen Schlaf- und Lagerplatz hatte) - Dieser Fund zählt nun zum Weltkulturerbe.

- Besuch des E.ON Kraftwerkes Buschhaus und der Abfallverbrennungsanlage E.ON Energy from Waste Helmstedt

Zuerst erfolgte eine Einleitung durch Herrn Peter Planke, in der das Braunkohlekraftwerk und die Abfallverbrennungsanlage vorgestellt und beschrieben wurde. Danach wurde ein Film über die Abfallverbrennungsanlage mit dem Titel „Energie und sekundäre Rohstoffe aus Abfall“ gezeigt und im Anschluss das Kraftwerk Buschhaus und die Abfallverbrennungsanlage besichtigt.

Das Kraftwerk Buschhaus produziert bei einer Nennleistung von 380 MW jährlich mehr als 2,3 Milliarden Kilowattstunden Energie. Über Transportbänder wird die Kohle zu einer Zwi- schenhalde transportiert und durchmischt um den Heizwert konstant zu halten. Die Kapazität der Halde liegt bei 180.000 t, somit kann das Kraftwerk nahezu einen ganzen Monat nur von der Kohle auf der Halde betrieben werden. Danach wird die Kohle zerkleinert, Eisenteile entfernt und im Bunker gelagert. Pro Stunde werden ca. 420 t Kohle vorbereitet.

Anschließend wird die Kohle staubfein zermahlen und gelangt zum Verfeuern in den Kessel. Durch das Verbrennen wird die in der Kohle enthaltene Energie frei. Diese Energie erwärmt Wasser im Rohsystem. Der entstehende Dampf treibt eine Turbine an. Ein an der Turbine gekoppelte Generator wandelt die Energie in Strom um. Abfallverbrennungsanlage Sie zählt zu den größten Anlagen in Deutschland. Mit einer Jahreskapazität von 525.000 t gewährleistet die Anlage Entsorgungssicherheit für 8 benachbarte Landkreise. Täglich werden mehr als 2.000 t Abfall umgeschlagen. Der Abfallbunker hat ein Volumen von 20.000 m3 und stellt so- mit 6 Tage Volllastbetrieb sicher.

Der Abfall wird verbrannt und die dabei entstehende Wärme erzeugt stündlich bis zu 210 t Dampf. Dieser treibt eine Turbine mit nachgeschaltetem Generator an. So erzeugt sie ca. 300.000 Megawattstunden elektrische Energie im Jahr und kann den Elektrizitätsbedarf von rund 100.000 Haushalten decken.

5. Tag der Exkursion (Freitag, 27.03.2009)

- Besuch der Bohranlage RWE DEA in Langwedel

Das Zentrum der deutschen Erdgasgewinnung ist Niedersachsen. Aus diesem Gebiet stammen 95 % des inländischen Erdgases. Nach einer Begrüßung folgten 2 Vorträge. Der Vortrag von Herr M. Dammerer-Kerbl bezog sich auf den Untertagebetrieb. Er handelte von der Erstkomplettierung, der Perforation und von Testarbeiten.

Auf die Übertagetechnik bezog sich Dipl.-Ing. Dirke Lankenau. Es wurde die Erdgasreinigung, die Erdgastrocknung und die Erdgaskonditionierung erläutert, wobei die Konditionierung hier in dieser Anlage nicht durchgeführt wird.

Anschließend fand eine Begehung der gesamten Anlage statt. Wir danken der Absolventen- und Förderer Vereinigung für die Unterstützung bei den Übernachtungskosten und des Besuches des Bergwerkes Rammelsberg. Die Fahrtkosten wurden durch die Bewilligung von Mitteln aus Studienbeiträgen finanziert. Auch hierfür vielen Dank.

Text: Dorothea Köhler, Victoria Diga Fotos: Jörg Bittner

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Gewässerökologie Herbstexkursion - Prof. Brand

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05.11.2008 Station 1: Vortrag beim Ruhrverband in Essen

Der erste Anlaufpunkt unserer Exkursion führte uns zum Ruhrverband nach Essen. Dort hörten wir von der Biologin Frau Dr. Döppner einen Vortrag über die ökologischen Probleme in der Ruhr bezüglich der Wasserkraft-, Trinkwasser- und Freizeitnutzung und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die unterschiedlichen Fischarten. Sie berichtete weiterhin über das Einzugsgebiet des Ruhrverbandes (> 4500 km2) und dessen Aufgaben wie zum Beispiel das Betreiben von Kläranlagen.

Im Anschluss übernahm Herr Jäger von der Ruhrfischereigenossenschaft das Wort und erläuterte anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis die Problematik der Querbauwerke hinsichtlich der ökologische Durchgängigkeit von Flüssen im Allgemeinen und der Ruhr im Speziellen. Hier wies er besonders auf die Problematik hin, dass nicht nur der Fischaufstieg ein Problem sei, sondern auch der Fischabstieg, besonders viele Gefahren für die Fische darstelle (Turbinen, Staubecken usw.). Er zeigte verschiedene Möglichkeiten auf welche den Fischen einen problemlosen Auf- und Abstieg ermöglichen. Dieses wurde anhand von bereits realisierten Projekten belegt.

05.11.08 Station 2: Nachmittagstermin Wehr Buisdorf

Am Nachmittag fanden wir uns am Wehr in Buisdorf (nahe Siegburg) ein, wo sich am Kopf der Fischaufstiegsanlage eine große Kontrollstation befindet. Die aufsteigenden Wanderfische werden durch einen Leitrechen in eine rund 10 m2 große Fangkammer geleitet. Bei täglichen Kontrollgängen wird der Fangkorb mit einem Kran hochgezogen und die Fische werden registriert und i.d.R. nach einer kurzen Markierung wieder freigelassen. Pro Jahr werden hier rund 100-200 Lachse und einige Tausend anderer Fische registriert. Der Betrieb erfolgt durch die Fischwirte des Rheinischen Fischereiverbands.

Herr Nemitz vom Rheinischen Fischereiverband gab uns Informationen über das Wanderfischprogramm an der Sieg: Es basiert auf einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Landesumweltministerium und dem Fischereiverband NRW. Das Ziel des Wanderfischprogramms ist die Wiederansiedlung und der Schutz heimischer Fischarten sowie die Revitalisierung vorhandener Lebensräume. Das Programm ist in die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie eingebunden. Der atlantische Lachs wurde dabei als Symbolart ausgewählt.

Jährlich werden 1 Million Eier aus dem Ausland eingekauft, besamt und bebrütet. Mittlerweile ist die Zucht der Lachse aber schon so erfolgreich, dass wohl ab nächstem Jahr keine Eier aus dem Ausland mehr eingekauft werden müssen und die Eier von Rückkehrern und von in Gefangenschaft gezüchteten Lachsen für die Ausbringung genutzt werden können.

06.11.2008, Station 3: Bahn-Neubaustrecke Köln- Frankfurt: Landschaftspflege in der Siegaue bei Siegburg

Am zweiten Tag unserer Herbstexkursion hatten wir einen Besichtigungstermin mit der Landschaftsarchitektin Frau Banf und dem Techniker Herrn Kalka von der Deutschen Bahn AG. Einen gravierenden Eingriff in das Sieg-System stellte die aus Landschaftsschutzgründen von 1998 bis 2002 durchgeführte Trassenverlegung der ICE-Strecke Köln-Frankfurt unter die Sieg dar. Es entstand ein Tunnel von 2,2 km Länge, für dessen Bau der gesamte Fluss vorübergehend umgeleitet werden musste. Als Ausgleichsmaßnahmen wurden auf einer Gewässerstrecke der Sieg von fünf Kilometern Länge zeitgleich mit dem Bau der Bahn-Neubaustrecke Köln-Rhein/Main landschaftspflegerische Maßnahmen auf einer Fläche von ca. 58 Hektar zur Strukturverbesserung und ökologischen Aufwertung der Siegaue umgesetzt.

Mit diesen Maßnahmen wurde der Anstoß der Eigendynamik der Sieg in ihrer natürlichen Aue gegeben. Es ist geplant, diese Entwicklung für wissenschaftliche Zwecke in Form eines Monitorings, welches federführend vom Staatlichen Umweltamt betreut wird, aufzubereiten. Die Deutsche Bahn AG wird sich in diesem Programm finanziell beteiligen.

06.11.2008, Station 4: Landesanstalt für Fischerei Nordrhein-Westfalen, Albaum

Nachmittags erreichten wir die Landesanstalt für Fischerei Nordrhein-Westfalen in Albaum (Sauerland). Dort wurden wir von Herr Dr. Ingendahl begrüßt und über die aktuelle Lachssituation in dem Betrieb informiert. Leider konnten wir zu dem Zeitpunkt keine ausgewachsenen Lachse begutachten, da diese zum Abstreifen in sterilen Räumen stressfrei gehalten wurden. Des Weiteren konnten wir Einblick in die Arbeitsweise der Anstalt erhalten und Jungfische betrachten. Diese werden in runden Tanks bis zu einem Jahr gehalten und gezüchtet um anschließend in den Gewässern ausgesetzt zu werden.

Ein weiteres Thema mit dem sich die Anstalt befasst ist die Wanderung und Populationsdichte der Aale. Diese hat seit Ende der Achtziger Jahre einen besorgniserregenden Tiefststand erreicht. Der Wissenschaftler führt dies auf Parasiten, Glasaalfang, Verbau der Gewässer, Klima und den Kormoran zurück. Wobei angemerkt sei, dass der Kormoran wesentlich geringere Auswirkungen auf den Aalbestand hat als ursprünglich und vielerorts fälschlicherweise angenommen.

Nach diesem informationsreichen Tag konnten wir zufrieden und um viele Eindrücke reicher, die Heimreise antreten.

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England-Exkursion des FB 9

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Die Reise nach England begann für uns lange vor dem 24. Mai 2009, mit Referaten von Kommilitoninnen und Kommilitonen über Land und Leute, britische Eigenheiten, die Weltmetropole London, seine Stadtentwicklung, die Ausbildung zum landscape architect, die Gartenstadtbewegung des 20.Jahrhunderts und über die für die Reise ausgewählten Gärten. Die Vorträge gewährten uns erste interessante Einblicke in die verschiedenen Gartenanlagen und weckten die Vorfreude in uns. [...]

Die erste Nacht verbrachten wir in einer kleinen Jugendherberge in Margate, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Dover, direkt an der Küste gelegen. Es war nur ein Zwischenstopp, denn am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Sissinghurst Castle Gardens in Kent, dem weltberühmten Privatgarten der Schriftstellerin Vita Sackville-West und ihres Mannes Harold Nicolson. Die raumartig gegliederte Gartenanlage begeisterte vor allem durch ihre Rabatten mit ihrer großen Vielfalt an Stauden. [...].

Mit den inspirierenden Bildern aus Sissinghurst fuhren wir am Nachmittag weiter nach Great Dixter, East Sussex. Dieser Garten von Christopher Lloyd, der sich durch ein völlig anderes Bepflanzungskonzept auszeichnet, gefiel vielen von uns anfänglich nicht. Anders als in Sissinghurst sind die Beete hier wilder und üppiger bepflanzt, die Hecken eher organisch als formal geschnitten. Dennoch ergibt sich, zusammen mit dem alten „schiefen“ Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert, ein harmonisches Gesamtbild. Die differenzierte Gestaltung dieser beiden Gartenanlagen hat uns verdeutlicht, dass wir gestalterisch flexibel sein müssen, um angemessen auf unterschiedliche Gegebenheiten reagieren zu können. [...]

Am nächsten Morgen fuhren wir in den „Skulpturen Garten“ der Galeristin Hannah Peshar in Ockley, Surrey. Aufgrund des Referates über die Gartenanlage waren alle voller Vorfreude und der erste Eindruck enttäuschte uns nicht. Der verspielte Garten mit seinen großblättrigen Stauden verzauberte die ganze Gruppe auf Anhieb. Wir wurden sogar von Hannah Peshar persönlich empfan- gen und bekamen so eine sehr interessante Erläuterung zu ihrem Garten.

Der Garten hatte allerdings keine klassischen, englischen Blütenrabatten. Stattdessen ist er von hohen Bäumen überdacht, unter denen großflächig Blattschmuckstauden wachsen. Ergänzend dazu wurde viel mit dem Element Wasser gestaltet. Durch den Garten führen viele kleine Pfade, die sich so hindurchschlängeln, dass hinter jeder Kurve eine andere Skulptur oder ein anderes Kunstwerk den Besucher überrascht.

Dieser Garten zeigte uns anschaulich wie gut ein Garten oder Park mit Kunstobjekten und -installationen kombiniert werden kann.

Anschließend fuhren wir nach Munstead Wood, Surrey, in den ehemaligen Privatgarten von Getrude Jekyll. Hier erwartete uns eine Gartenanlage mit einem völlig anderen Gestaltungskonzept, wenn auch Munstead Wood ähnlich wie der Skulpturengarten von Hannah Peschar mitten in einem Wald angelegt worden ist. Anstelle von großblättrigen Stauden wachsen hier vor allem laubabwerfende Rhododendron unter den Bäumen, während in den sonnigen Be- reichen und in Verbindung mit gebauten, architektonischen Elementen Stau- denrabatten das Bild bestimmen. Diese von Getrude Jekyll entwickelten Stau- denrabatten waren wegweisend für den Englischen Garten des 20. Jahrhunderts und haben bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Der head gardener der heutigen Besitzerin erläuterte uns die einzelnen Situationen und Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Der Übergang vom formalen Garten zum umliegenden Wald gefiel uns besonders gut: Befestigte Wege gehen fast unmerklich in gemähte Flächen und von dort in Trampelpfade über. [...]

Am Nachmittag fuhren wir zum Weltkulturerbe „Stonehenge“. Auf dem ersten Blick erschie- nen uns die Steinkreise wie eine reine Touristenattraktion. Die Steinanlage durfte von den unzähligen Besuchern nur mit ei- nem großen Sicherheitsabstand umrundet werden. Erst der Vortrag zum Bauwerk ließ uns die einmalige, fast übermenschlich erscheinende Leistung aus der Jungsteinzeit erkennen. [...] Am Mittwochmorgen fuhren wir leider bei strömenden Regen nach Hestercombe, Somerset. [...]

In Anlehnung an das Manor House befindet sich ein formal gestalteter Garten mit großer Terrasse, der von Gertrude Jekyll und Edwin Lutyens angelegt wur- de und als ihr Meisterwerk gilt. Ganz versteckt im naheliegenden Wald ent- deckten wir einen Holzkohleofen, der nur mithilfe seiner Rauchwolken inmitten der Baumkronen aufzufinden war. Dort trafen wir einen ehemaligen Landschaftsarchitekturstudenten aus Magdeburg, der nach seinem Diplom nun schon seit vier Jahren in England als Gärtner arbeitete. Dieses Gespräch eröffnete uns ganz neue Zukunftsperspektiven.

Am Nachmittag besuchten wir einen der bedeutendsten Landschaftsparks in England: Stourhead in Wiltshire. Trotz Regen hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Er bestach vor allem durch seine riesigen Bäume und seine gelungene Einbindung in die Landschaft.

Am nächsten Morgen konnten wir auf eigene Faust die Weltkulturerbestadt Bath erkunden. [...] Am Freitag ging es weiter in Richtung London. [...]

Anschließend fuhren wir nach Letchworth, der ersten Gartenstadt des 20. Jahrhunderts, die ca. 60 km nördlich von London liegt. Das Konzept von Ebenezer Howard, dem Begründer der Gartenstadtbewegung, erscheint uns ein- fach und doch genial: Um die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen im Industriellen Zeitalter zu verbessern, sollte jede Arbeiterwohnsiedlung über Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten sowie kulturelle Einrichtungen verfügen können. Zur Erholung waren zahlreiche öffentlich nutzbare Freiräume vorge- sehen. Wir begaben uns daher in kleinen Gruppen auf Spurensuche in die Stadt, die mit ihren breiten Straßen, durchzogen von üppigen Grünflächen mit Wasserelementen und Staudenpflanzungen, beeindruckte. Letchworth zeigte uns deutlich, wie wichtig öffentliche Freiräume für die Menschen sind und dass das Leben in einer Stadt von mittlerer Größe auch erholsam sein kann.

Am Samstagmorgen besichtigten wir die Docklands von London auf der Isle of Dogs. Die vor dem 2. Weltkrieg größte Hafenanlage Europas ist seit Anfang der 80er Jahre Bestandteil eines gigantischen Stadtentwicklungs- und Umstrukturierungsprojektes. Wir fuhren ab der Tower Bridge mit einer führerlosen Hoch- bahn, der Docklands Light Railway, in Richtung Osten. Der erste Halt war ein eindrucksvolles Büroviertel am Canary Wharf Tower, der mit 245 Höhe der größte Wolkenkratzer Englands ist. Das Businesszentrum wird räumlich von den vielen modernen Hochhäusern geprägt. Für uns war es interessant zu sehen, wie die öffentlichen Freiräume gestaltet wurden, von deren Anblick wir sehr beeindruckt waren. Die Landschaftsarchitekten hatten es geschafft, ein stimmiges Konzept zu entwerfen, bei dem nur eine einzige Baumart, der Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) und großformatiges Pfla- ster zwischen den hohen Häuserfronten verwendet wurde. Kleine Parkanlagen schaffen in Verbindung mit Wasserelementen Orte der Entspannung in mitten der spiegelnden Fassaden.

Der letzte Stopp unserer Exkursion war das Millennium Viertel auf dem gegenüberliegenden Themseufer, in dem sich der ehemalige Millennium Dome, die heutige O2 Arena befindet. Das ehemalige Industriegelände entwickelt sich zurzeit zu einem begehrten Wohnviertel. Die Wohnsiedlung „Greenwich Millenium Village“ grenzt unmittelbar an eine ökologische Parkanlage und überzeugt durch seine moderne Architektur. Die Balkone sind in unterschiedlichen Farben gestrichen und die Fassaden teilweise mit Holz verkleidet. Selbst das Parkhaus fügt sich fast unmerklich in die Häuserblöcke ein, so dass sich in- sgesamt ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Lediglich die Terrassen, die sich di- rekt an der Haupteingangsstraße befinden, werden wegen fehlender Privatheit offensichtlich nicht genutzt und sind daher verwahrlost.

Im Gegensatz dazu ist das Konzept der Innenhöfe sehr gut. Hier grenzen die privaten Freiräume direkt an die kollektiv nutzbaren Freiräume. Sie werden sichtlich genutzt und gepflegt. Dies zeigte uns, dass es beim Planen sehr genau darauf ankommt wie nutzerorientierte Freiräume aneinandergrenzen, damit sie von den Bewohnern angenommen werden. [...]

Nach einer anstrengenden, aber sehr interessanten und lehrreichen Woche fuhren wir am Sonntagmorgen wieder nach Hause. Wir danken dem AfV für seine großzügige finanzielle Unterstützung, die die Eintritte in die Gärten des National Trust und des National Garden Scheme ermöglichte und damit die Arbeit dieser beiden gemeinnützigen Einrichtungen unterstützte.

Fotos und Bericht: Yves Vennewald, Luisa Determeyer, Maria Hackmann

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